Wie Sie leserorientierte Texte schreiben

Wie Sie leserorientierte Texte schreiben

Wer sind Ihre Leser:innen und wie erreichen Sie Ihr Publikum mit Ihren Texten? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich in diesem Blogbeitrag und versuche gleich mit gutem Beispiel voranzugehen:

Ich schreibe für Menschen, die Mühe haben, ihre Texte zielorientiert zu schreiben und die sich nicht sicher sind, ob sie den Ton ihrer Leser:innen treffen. Diese Menschen haben vielleicht schon die Rückmeldung bekommen, dass ihre Texte noch nicht leserorientiert sind. Oder sie interessieren sich einfach dafür, wie sie ihre Botschaften besser vermitteln können. Ich schreibe diesen Blogbeitrag also für ein heterogenes Publikum. Deshalb muss es für die Leser:innen möglich sein, sich an griffigen Überschriften zu orientieren, um das rauszusuchen, was ihnen hilft. Der Text sollte allgemein verständlich sein, deshalb verwende ich keine Fachwörter – und wenn doch, erkläre ich sie.

Und jetzt Sie!


Texte haben Botschaften. Damit sie ankommen, müssen sie aber verstanden werden.

Kennen Sie das: Sie lesen einen Artikel, verstehen einzelne Aussagen nicht und hätten da noch die eine oder andere Frage. Leider können Sie die Autorin nicht anrufen und ihr auch keine E-Mail schreiben. So legen Sie den Artikel nach einer weiteren schwer verständlichen Stelle aus der Hand.

Das Beispiel zeigt: Ist ein Text einmal veröffentlicht, steht er für sich. Die Kommunikation zwischen der Autorin und Ihnen ist einseitig: Sie können keine Verständnisfragen stellen, um Unklarheiten zu klären. Das gilt umgekehrt natürlich auch für Ihre Leser:innen.

Denken Sie deshalb beim Schreiben an folgenden Grundsatz: Sie möchten mit Ihrem Text eine Botschaft vermitteln. Damit die Botschaft ankommt, muss sie inhaltlich und sprachlich auf die Leser:innen zugeschnitten sein. Für Sie bedeutet das: Überlegen Sie sich vor und während des Schreibens, mit wem Sie kommunizieren, welche Inhalte relevant sind und welcher Stil von Ihnen erwartet wird.


Übung: Zeichnen Sie ein Bild Ihrer Leser:innen.

Bevor Sie loslegen: Machen Sie sich ein Bild von Ihrem Publikum und halten Sie es sich beim Schreiben vor Augen. Die folgende Übung hilft Ihnen dabei; sie dauert circa 10 Minuten.

Listen Sie auf, was die potenziellen Leser:innen über das Thema denken, bereits wissen und noch wissen wollen. Beantworten Sie folgende Fragen:

  • Was wissen die Leser:innen über das Thema?
  • Welches Wissen fehlt ihnen noch?
  • Was könnte die Leser:innen am Text interessieren – wieso ist Ihr Text für die Leser:innen relevant?
  • Was müssen Sie den Leser:innen erklären, damit sie die Botschaft Ihres Texts verstehen?

Wenn Sie diese Fragen klären, werden Sie sich beim Schreiben weniger verzetteln und das Thema nicht zu tief und nicht zu oberflächlich bearbeiten. Die Leser:innen sind dankbar, wenn Sie unbekannte Fachbegriffe erklären. Und sie sind froh, wenn Sie darauf verzichten, eine Theorie auszuführen, die im Fachbereich ohnehin alle kennen.


Finden Sie den passenden Stil.

Fragen Sie sich, welchen Stil die Leser:innen gewohnt sind und ob es Sprachkonventionen gibt, die Sie berücksichtigen sollten.

Schreiben Sie zum Beispiel einen Artikel für eine Fachzeitschrift, verlangt man von Ihnen vielleicht einen bestimmten Stil. Das kann so weit gehen, dass der Stil den Status einer sozialen Norm hat. Das heisst: Wenn Sie den von Ihnen erwarteten Schreibstil ignorieren, kann das sanktioniert werden. Zum Beispiel, indem Ihr Text nicht publiziert wird.

Oder schreiben Sie an einem Blogartikel? Dann bemühen Sie sich um eine allgemein verständliche Sprache – Sie wollen schliesslich ein breites Publikum erreichen und die Leser:innen nicht dazu zwingen, Fremd- und Fachwörter nachzuschlagen und sich durch Schachtelsätze und Passiv-Konstruktionen zu kämpfen.

Um zu erfahren, was fach- und textsortenspezifische Konventionen sind, lohnt sich ein Blick in einschlägige Publikationen. Darin finden Sie wertvolle Hinweise für Ihren eigenen Text.


Übung: Stil und Sprachkonventionen klären.

Lesen Sie andere Texte aus Ihrem Fachgebiet und machen Sie sich Notizen zu den folgenden Fragen:

  • Was gefällt Ihnen an den gut lesbaren und verständlichen Texten? Sind es zum Beispiel klar erkennbare Absatzstrukturen oder aussagekräftige Überschriften?
  • Was sehen Sie in den Texten, das Sie vermeiden wollen? Sind es zum Beispiel abstrakte Wörter wie «Strategie» und «Ebene» oder komplizierte Schachtelsätze?
  • Gibt es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen den Publikationen? Wiederholt sich zum Beispiel, wie die Texte aufgebaut sind?
  • Erkennen Sie Formulierungen oder Wörter, die regelmässig und in einer bestimmten Weise verwendet werden? Ist es zum Beispiel üblich, dass man Wörter wie «Inklusion» und «Integration» verwendet, ohne sie zu erklären?

Durch das Klären dieser Fragen erhalten Sie eine Vorstellung der fachlichen und textsortenspezifischen Konventionen. Wenden Sie dafür aber nicht zu viel Zeit auf – beginnen Sie mit 30 bis 60 Minuten und schauen Sie, wohin Sie das führt. Das hilft Ihnen bei der Orientierung und vereinfacht es den Leser:innen, Ihnen zu folgen.

Tipp: Hier können Sie beide Übungen bequem als PDF downloaden.


Inhaltliche Tiefe: Fordern ja – überfordern nein.

Wenn Sie ungefähr wissen, wer Ihren Text liest und welche Sprache sich die Leser:innen gewohnt sind, können Sie die angemessene inhaltliche Tiefe finden. Beachten Sie: Wenn Sie sich gut mit einem Thema auskennen, können Sie in zwei Fallen tappen. Sie verlieren sich entweder in Details oder Sie bleiben an der Oberfläche, weil Ihnen die thematischen Zusammenhänge so klar sind, dass Sie diese nicht ausreichend ausführen. Damit können Sie Laien überfordern. Wenn Sie sich an ein Fachpublikum wenden, sollten Sie nicht zu stark an der Oberfläche kratzen; hier ist Tiefgang gefordert.

Grenzen Sie Ihr Thema also so ein, dass Sie die Leser:innen fordern, aber nicht überfordern. Hier finden Sie einen Blogbeitrag zum Thema.

Ob Fachtext oder nicht: Die Verständlichkeit steht immer im Vordergrund. Das heisst: Sorgen Sie für relevante Inhalte, einen nachvollziehbaren roten Faden, sprachliche Klarheit und Prägnanz. Ob Ihr Text das schon leistet, überprüfen Sie idealerweise, indem Sie den Text von kritischen Kolleg:innen gegenlesen lassen.


Tipp: Lassen Sie Ihren Text von Testleser:innen auf Herz und Nieren prüfen.

Legen Sie Ihren Text Testleser:innen vor und fragen Sie sie nach Rückmeldungen. Das hilft Ihnen, den Text zu überarbeiten. Ausserdem können Sie den Testleser:innen Fragen stellen: Was war interessant und was ist noch nicht verständlich?

Kehren wir nochmals zum Grundsatz vom Anfang zurück: Klären Sie unverständliche Textstellen vor der Veröffentlichung, sonst legen die Leser:innen Ihren Text aus den Händen, bevor Ihre Botschaft ankommt.

Für mehr Schreibwissen besuchen Sie unseren Blog, unsere Webinare oder unsere Schreibkurse.


Literaturtipps

Kruse, O. (2018). Lesen und Schreiben: Der richtige Umgang mit Texten im Studium (3., überarbeitete und erweiterte Auflage). UVK Verlagsgesellschaft mbH.

Külz, H. (2017). Einfach schreiben im Beruf: Wie Sie sich und Ihrem Leser eine Freude machen (1. Auflage). Haufe Gruppe.

Sturm, A., & Weder, M. (2016). Schreibkompetenz, Schreibmotivation, Schreibförderung: Grundlagen und Modelle zum Schreiben als soziale Praxis (1. Auflage). Klett/Kallmeyer.