Wann hilft ein Schreibcoaching weiter?

Es ist fünf vor Abgabe der Seminararbeit. Esther hat es schon wieder nicht hingekriegt, ihre Arbeit so zu planen, dass Zeit für die Überarbeitung bleibt. Tim erklärt sich trotz Zeitdruck dazu bereit, ihren Text noch in aller Eile gegenzulesen. Er bemerkt schnell, dass es einige Baustellen gibt, für die keine Zeit mehr bleibt. Er selbst hat mit dem Schreiben der Seminararbeit aber gar nicht erst begonnen und sich auf seine altbewährte Verdrängungstaktik zurückbesonnen. Und Sibylle? Auch diesmal hat sie ihre Arbeit bereits eine Woche vor dem Abgabetermin eingereicht. So richtig zufrieden mit dem abgelieferten Text ist sie allerdings nicht. Immerhin weiss sie bereits, was sie das nächste Mal besser machen könnte.

Vielen geht es gleich wie Esther, Tim oder Sibylle: Beim Schreiben der Seminar-, Bachelor- oder Masterarbeiten stehen Studentinnen und Studenten schnell vor Schwierigkeiten. Aber auch bei Berufstätigen erzeugen Schreibprobleme oft einen hohen Leidensdruck. Spätestens dann lohnt es sich, einen Schreibcoach aufzusuchen. Die Dauer, der Verlauf und die Inhalte des Schreibcoachings variieren je nach Schreibprojekt, Problem oder Wunsch der ratsuchenden Person. Wäre Esther beispielsweise mit etwas Unterstützung bei der Planung gut bedient, liegen bei Tim die Probleme wohl etwas tiefer. Und Sibylle hat zwar ihr Zeitmanagement im Griff, möchte aber mit einem Schreibcoach ihre Schreibkompetenzen weiterentwickeln.

Es gibt drei Hauptgründe, sich an einen Schreibcoach zu wenden:

1. Anstehendes Schreibprojekt

Oft sucht man dann Rat, wenn man vor einer konkreten Herausforderung steht, aber nicht genau weiss, wie man diese angehen soll. Im beruflichen Bereich kann es beispielsweise um das Schreiben eines Berichts, einer Dokumentation, eines Newsletters oder einer Pressemitteilung gehen, im (vor-)wissenschaftlichen Bereich um das Verfassen einer studentischen Arbeit, eines wissenschaftlichen Artikels oder eines Forschungsberichts.

Man bringt also die aktuellen Schreibaufgaben gleich ins Schreibcoaching mit, damit gezielt daran gearbeitet werden kann. Da der Zeit- und Erfolgsdruck oft ein wichtiger Faktor ist, lohnt es sich, aktuelle Schreibprojekte zum Gegenstand des Schreibcoachings oder der -beratung zu machen. Damit die Ratsuchenden ihr Ziel erreichen und das Schreibprojekt erfolgreich bewältigen können, helfen ihnen Schreibcoaches unter anderem,

  • ein Thema zu finden und dieses einzugrenzen,
  • Literatur zu recherchieren,
  • Texte zu lesen und auszuwerten,
  • eine sinnvolle Textstruktur zu erarbeiten,
  • eine Rohfassung zu schreiben und
  • den geschriebenen Text zu überarbeiten und zu finalisieren.

2. Schreibprobleme

Der eine hat die berühmte Angst vor dem leeren Blatt; der andere kann seine Gedanken nicht klar fassen; und der Dritte weiss, dass er nicht schreiben kann, weil all seine Lehrerinnen und Lehrer ihm das immer wieder eingeredet haben. Oder es ist wie bei Esther und Tim: Sie hat ihre Zeitplanung nicht im Griff, er verdrängt die Schreibaufgabe aus Gründen, die er selbst gar nicht genau benennen kann.

Sowohl im beruflichen wie auch im wissenschaftlichen Bereich sind Schreibprobleme weit verbreitet; sie sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Schreibprobleme hängen oft mit fehlendem Know-how zusammen und können sich zu regelrechten Blockaden entwickeln. Die Ursachen, warum uns die Sätze nicht immer locker aus der Feder fliessen, sind insgesamt aber vielfältiger:

  • Zeit- und Erfolgsdruck
  • Peers und Vorgesetzte kritisieren die eigenen Texte
  • Unzufriedenheit mit dem Resultat
  • fehlendes Wissen über den Schreibprozess
  • fehlendes Sach- oder Fachwissen
  • fehlende Schreibübung
  • Angst, etwas Falsches zu schreiben
  • frustrierende Schreiberfahrungen in der Vergangenheit
  • Ablenkungen
  • unklare Rahmenbedingungen (Deadline, Umfang, erwartete Textqualität, Textform, Ansprechpersonen usw.)

Die gute Nachricht ist: Schreiben kann man üben, genauso wie das Denken und das Reden. Für das Üben muss man sich allerdings Zeit nehmen, und manchmal auch etwas Unterstützung holen. Schreibcoaches helfen dabei, Schreibprobleme eindeutig zu identifizieren, insbesondere die, die wiederkehren und einem die Freude am Schreiben verderben. Sie wissen, was zu tun ist, um den Knoten zu lösen. Ausserdem vermitteln sie wichtiges Schreibwissen, geben konstruktives Feedback, stärken das Selbstkonzept der Coachees und geben ihnen hilfreiche Schreibmethoden an die Hand.

3. Schreibkompetenz weiterentwickeln

Man muss nicht zwingend vor einer anstehenden Schreibaufgabe stehen oder von Schreibproblemen betroffen sein, um seine Schreibkompetenz weiterzuentwickeln. Das Bedürfnis, sich im Schreiben weiterzuentwickeln, seinen Schreibprozess zu reflektieren oder ein gezieltes und ehrliches Textfeedback zu erhalten, kann ebenfalls Anlass sein, einen Schreibcoach aufzusuchen. Die Aufgabe des Schreibcoaches ist es, die Schreibstärken zu fördern und Schreibschwächen zu identifizieren, um gemeinsam mit der ratsuchenden Person daran zu arbeiten.

Eine Sache ist allerdings wichtiger als alle Techniken und Methoden, die für die Weiterentwicklung der Schreibkompetenz zur Verfügung stehen: das Schreiben selbst. Das fertige Produkt spielt vorerst keine Rolle, es geht einzig und allein ums Schreiben. Damit man eine Schreibroutine entwickeln kann, muss man gute Schreibbedingungen schaffen. Wie das geht, kann man schon bald in einem weiteren Blogbeitrag lesen.