Thema eingrenzen und fokussiert schreiben

Sie haben Sie sich für ein Thema entschieden – doch wie und womit sollen Sie beginnen? Ist das Thema zu umfangreich, verrennt man sich schnell oder man kratzt nur an der Oberfläche. Damit es bearbeitbar wird und Sie zielgerichtet schreiben können, müssen Sie das Thema eingrenzen. In diesem Artikel lernen Sie einfache Schreib-, Sprech- und Visualisierungsübungen kennen, mit welchen Sie innerhalb von wenigen Minuten sichtbare Ergebnisse erzielen und Ihren Text weiterbringen.

Thema eingrenzen: Wieso ist das wichtig?

Die Eingrenzung des Themas braucht es, damit Sie es realistisch bearbeiten können und sich beim Recherchieren oder Schreiben nicht verzetteln. Dadurch können Sie Ihre Ressourcen sinnvoll nutzen und Ihren «Arbeitsspeicher» schonen. Denn jede einzelne Aufgabe, die Sie erledigen müssen, stellt Anforderungen an Ihr Arbeitsgedächtnis und Ihr Langzeitgedächtnis. Schränken Sie das Thema ein, dann können Sie Ihr Thema vertiefter bearbeiten und auf Ihre Kernbotschaft fokussieren. Dadurch schaffen Sie einen Text, der kohärenter, verständlicher und prägnanter ist. Die Leser*innen danken es Ihnen, wenn Sie die unnötigen Informationen über Bord werfen und auf den Punkt kommen.


Schreibübung: Eingrenzung mit dem Dreischritt

Der Dreischritt ist eine Technik, die nur wenige Minuten dauert und mit der Sie den Kern Ihres Textes erfassen können. Er ermöglicht Ihnen, Ihr Thema so einzugrenzen, dass es bearbeitbar wird.

Vervollständigen Sie den folgenden Satz:

Thema: Ich untersuche/arbeite an/schreibe über …

Erkenntnisinteresse: weil ich verstehen/herausfinden/nachvollziehen möchte wer/was/wann/wo/welche/warum/wie/ob, …

Absicht: um zu überlegen/festzustellen/zu prüfen/herauszufinden wie/warum/ob …

Ein Beispiel, wie ich den Dreischritt für diesen Blogbeitrag angewendet habe: Ich schreibe einen Blogartikel über den Aspekt «Thema eingrenzen», weil ich zeigen möchte, dass die Themeneingrenzung für das zielgerichtete Schreiben wichtig ist und welche Strategien man anwenden kann, um herauszufinden, was die Kernbotschaft des eigenen Textes sein soll, die man den Leser*innen vermitteln möchte.

Nach dem Verfassen des Satzes lässt sich das Thema besser in einzelne Arbeitsschritte aufteilen. Diese kleineren Einheiten können gezielt bearbeitet werden. Die Arbeit am Text wird dadurch überschaubar. Sollten Sie nach wie vor daran scheitern, dass das Thema zu umfangreich ist, versuchen Sie das Erkenntnisinteresse und Ihre Absicht zu präzisieren.


Schreibübung: Eingrenzung durch die W-Fragen

Wenn sich der Dreischritt für Ihren Text nicht eignet, probieren Sie es mit den folgenden W-Fragen:

  • Was? Um was geht es in Ihrem Text? Was ist das Thema?
  • Warum? Warum ist das Thema des Textes wichtig – und für wen?
  • Wer? Geht es im Text um bestimmte Personen, Gruppen oder Institutionen?
  • Wann? Ist bei Ihrem Thema eine zeitliche Eingrenzung notwendig?
  • Wo? Ist bei Ihrem Thema eine örtliche Eingrenzung notwendig?
  • Welche (vorläufigen) Kernbotschaften? Welches sind die zentralen Inhalte, die Kernbotschaften, die Sie vermitteln möchten?

Mit den Fragen «Was?» und «Warum?» benennen Sie das Thema des Textes und welche Relevanz es für die Leser*innen hat. Nach der Eingrenzung geht es um das Festlegen der zentralen Inhalte – vielleicht ergeben sich daraus schon erste Kernaussagen. Mit der Wer-Frage klären Sie, ob es im Text um bestimmte Personen, Gruppen oder Institutionen geht. Anschliessend grenzen Sie, wenn es erforderlich ist, das Thema noch zeitlich und örtlich ein.

Alternativ können Sie die Fragen auch in einer Tabelle abbilden:

FrageWeiss ich schon/ist schon klarMuss ich noch recherchieren/ist noch unklar
Was?  
Warum?  
Wer?  
Wann?  
Wo?  
Welche Kernaussagen?  

Visualisierungsübung: Struktur durch eine Mindmap

Ja, man kann Mindmaps auch für die Eingrenzung eines Themas verwenden. Mit Mindmaps stellen Sie Ihr Wissen und Ihre offenen Fragen anders dar als mit Fliesstext. Die Visualisierung regt die Kreativität an und schafft gleichzeitig Ordnung: Sie werden begreifen, wie die verschiedenen Aspekte Ihres Themas zusammenhängen. Mithilfe einer Mindmap können Sie auch eine provisorische Gliederung erstellen.

Ich verwende statt Stift und Papier hauptsächlich digitale Mindmaps, weil sie flexibler sind und ich immer wieder umstrukturieren kann, ohne gleich die ganze Mindmap wieder neu zeichnen zu müssen. Ich nutze dafür die Plattform Mindmeister – dort sieht die Mindmap zu diesem Blogbeitrag wie folgt aus:


Sprechübung: Auf den Punkt kommen mit der Elevator Speech

Die letzte Technik, die ich hier vorstelle, ist mir besonders wichtig: das Gespräch über das Thema und den Text. Sprechen Sie über Ihren Text mit anderen Leuten, erklären Sie ihnen Ihre Idee und lassen Sie sich Fragen stellen, die Sie gemeinsam diskutieren können. Gespräche sind – wie Visualisierungen – ein wichtiger Bestandteil des Schreibprozesses. Beim Reden denkt man über das Thema nach, entwickelt das eigene Wissen über das Thema weiter und strukturiert es um.

Eine zeitsparende Technik ist die Elevator Speech: Überlegen Sie sich, um was es in Ihrem Artikel gehen soll – dabei können Sie sich am Dreischritt oder an den W-Fragen orientieren. Stellen Sie anschliessend Ihre Gedanken zum Thema einer Person innerhalb von 1 bis 2 Minuten vor. Teilen Sie der Person mit, um was es gehen soll, wieso das Thema wichtig ist und was mögliche Hauptaussagen sind bzw. worauf Sie mit dem Text hinausmöchten.

Bitten Sie die Person um eine Rückmeldung: Ist das Thema genügend eingegrenzt und relevant? Sind Ihre Ausführungen nachvollziehbar? Fehlt noch etwas?

Wenn Sie gemeinsam diese Fragen diskutieren, zeigt sich, ob Sie das Thema für Aussenstehende sinnvoll eingegrenzt haben. Machen Sie sich Notizen oder nehmen Sie das Gespräch auf – so dokumentieren Sie Argumente und können sie für das weitere Eingrenzen und Strukturieren des Textes verwenden.


Mut zur Lücke: Irrelevantes weglassen

Sie kennen nun verschiedene Techniken, wie Sie Ihr Thema eingrenzen können und wissen, dass auch das Visualisieren und das Reden zum Schreibprozess gehören. Ich weiss, dass eine Portion Mut dazu gehört, gewisse Aspekte eines Themas wegzulassen. Das dient aber der Schärfung Ihres Textes. Lassen Sie deshalb die Aspekte weg, die Sie nicht einbezogen haben.


Inspiration für diesen Artikel:

  • Nadja Buoyardane und Franziska Nauck: Verständlich schreiben
  • Helga Esselborn-Krumbiegel: Von der Idee zum Text
  • Ella Grieshammer: Zukunftsmodell Schreibberatung