Zum Inhalt springen

Stilsichere Texte für eine strahlende Fachkompetenz

Texte überarbeiten: Sprache und Stil

Wäre es nicht schade, wenn Ihre Gedanken auf dem Weg zu den Leser:innen verpuffen würden? Damit Ihre Botschaften ankommen, brauchen Sie einen messerscharfen sprachlichen Ausdruck. Wie Sie den verfeinern, erfahren Sie in diesem Blogartikel.

«Je besser der Text sprachlich funktioniert, desto schneller kann der Leser den Inhalt erfassen. In Fällen (noch) ungenügender sprachlich-textueller Umsetzung ist es oft nicht oder nur schwer möglich, durch die sprachliche Oberfläche hindurch zu den Aussagen eines Textes durchzudringen.»

Ulmi et al., 2017, S. 51

Bereit für den Feinschliff?

Sie haben im Blogbeitrag Texte überarbeiten mit System, Teil 1 die grundlegenden Textebenen kennengelert und sie auf Herz und Nieren geprüft. Das Fundament Ihres Textes ist nun solide. Jetzt geht es an den Feinschliff auf der sprachlich-stilistischen Ebene.

Das oberste Gebot lautet: Verständlichkeit schaffen! Das bedeutet nichts anderes, als Ihre klaren Gedanken in eine ebenso klare Sprache zu überführen. Dann strahlt auch Ihre Fachkompetenz.

Ihre Inhalte mögen komplex sein. Das heisst aber nicht, dass Sie sie kompliziert aufschreiben müssen. Übersetzen Sie Komplexität nicht in Kompliziertheit. Je klarer Ihre Sprache, desto leichter erfassen die Leser:innen Ihre Botschaften. Verzichten Sie auf Bildungsprunk und sperrige Formulierungen. Wenn Sie kompliziert schreiben, kaufen Ihnen die Leser:innen nicht ab, dass Sie das Thema gedanklich ausreichend durchdrungen haben.

Den Text stilistisch zu überarbeiten, bedeutet für Sie: kürzen, vereinfachen, klären, prägnanter formulieren. Und wenn nötig: Veranschaulichen Sie Ihre Inhalte mit Beispielen. Werfen Sie allen Ballast ab, trennen Sie sich von unnötigen Details, komplizierten Formulierungen und Phrasen. Ihre Leser:innen wollen klare Botschaften, keine Gedankenlabyrinthe und syntaktische Irrgärten.

Übersetzen Sie Ihre Expertise und Ihre klaren Gedanken in eine ebenso klare Sprache. Und bedenken Sie: Überambitionierte Stilblüten könnten Ihnen als intellektueller Narzissmus ausgelegt werden.

Satzstruktur und Rhythmus

In einem anderen Blogbeitrag halte ich fünf Regeln für verständliche Texte fest. Darin empfehle ich, in kurzen Sätzen zu schreiben. Es stimmt: Kurze Sätze helfen dem Verständnis. Wenn Sie aber nur kurze Sätze aneinanderreihen, wirkt der Text schnell eintönig.

Variieren Sie die Satzlängen, bringen Sie Rhythmus in den Text. Das dürfen auch mal Einwortsätze sein. Dann können Leser:innen kurz innehalten. Durchatmen. Gerät ein Satz mal länger, achten Sie darauf, ihn folgerichtig zu gliedern, einfache Wörter zu verwenden und die Bezugswörter richtig einzusetzen, sonst verläuft sich Ihre Aussage womöglich im Sprachlabyrinth.

  • Prüfen Sie alle Schachtel- und Bandwurmsätze kritisch: Versteht man sie auf Anhieb? Kann man dazwischen einen Punkt setzen? Oder lässt sich sogar etwas streichen?
  • Widerspiegelt sich die Klarheit Ihrer Gedanken in einer nachvollziehbaren Satzstruktur? Oder ist auf dem Blatt alles noch ein wenig zu kompliziert? Dann dröseln Sie Ihre Formulierung auf.
  • Nutzen Sie die Palette der Satzzeichen: Gerade mit Doppelpunkten und Gedankenstrichen lassen sich Satzteile klug miteinander verbinden – finden Sie nicht?

Verben

Verben sind Tätigkeitswörter. Sie können Sätze regieren, wenn man sie lässt. Verben bringen Bewegung in den Satz: Sie hauchen dem Text Leben ein, der Text fliesst, das Lesen flutscht. Leider werden sie oft von Substantiven verdrängt. Übersetzen wir den kursiv gesetzten Satz auf «Substantivisch»:

Die Einhauchung von Leben in den Text durch die Verben resultiert in einer guten Fliessung des Texts und einer geschmeidigen Flutschung beim Lesen.

Zugegeben: Das klingt hier gekünstelt, aber das Prinzip ist das gleiche wie bei vielen anderen Texten.

Tipp: Begegnen Sie Wörtern, die auf «-ung», «-keit» oder «-heit» enden, immer kritisch. Sie blähen Ihre Texte auf und bringen den Textfluss ins Stocken. Wenn Sie mit Verben Bewegung in Ihre Sätze bringen, beginnen Ihre Texte zu pulsieren. Und das motiviert Ihre Leser:innen zum Weiterlesen.

Es ist immer das Leben und damit die Tat, die unser Interesse lockt. Deshalb gilt: Was Sie mit Verben ausdrücken können, sollen Sie mit Verben ausdrücken.

Nominalstil

Verdrängen Substantive die Verben, bläht das einen Text auf. Alles wirkt schwerfällig, gestelzt, sperrig, superwichtig und dem Text fehlt jegliche Bewegung. Dann handelt es sich um Nominalstil, den man auch mal Amtsdeutsch oder Bürokratenjargon nennt. Und der liest sich so:

Die Vernehmung des Beschuldigten erfolgte nach einer Belehrung über seine Rechte mittels einer Befragung zum Tatvorwurf durch den Kommissar.

Die Handlungen, die eigentlich in den Verben «vernehmen», «belehren» und «befragen» stecken, werden mit der klebrigen Masse der Substantivierung zugekleistert. Die Leichtigkeit geht verloren, die Bewegung auch, der Satz wirkt statisch.

Tipp: Wenn Sie merken, dass aus Ihrer Feder solches «Graudeutsch» fliesst, versuchen Sie aus den Wörtern, die auf -ung enden, die Verben herauszulösen. So hauchen Sie Ihren Sätzen wieder Leben ein. Das klingt dann so:

Der Kommissar vernahm den Beschuldigten, nachdem er ihn über seine Rechte belehrt hatte. Er befragte ihn zum Tatvorwurf.

Aktive Sprache

Worin liegt eigentlich das Problem beim Passiv? In aller Kürze:

  1. Die handelnde Person rückt in den Hintergrund oder verschwindet ganz aus dem Satz.
  2. Das Wort, das die Handlung anzeigt (= Verb, hier: Partizip II), rückt an den Schluss des Satzes.

Passiv: Das Bild wird (Hilfswerb) von Cécile gemalt (Partizip II).

Gerade wenn Sätze etwas länger sind als in unserem Beispiel, erschwert die Passivform das Verständnis. Denn erst mit dem Verb im Partizip erschliesst sich uns der Satzsinn. Prüfen Sie Ihre Passivsätze also kritisch. Immer wenn jemand etwas tut, erledigt oder ausführt, ist das Aktiv die bessere Wahl.

Adjektive

Adjektive beschreiben die Eigenschaften von Dingen, Vorgängen und Zuständen. Sie dienen uns dazu, Dinge zu unterscheiden, einzuordnen oder zu werten. Gezielt eingesetzt, schärfen sie Ihre Texte, unüberlegt hingeschrieben, verwässern sie das Geschriebene.

Oft lese ich in Fachtexten zum Beispiel «die konkrete Praxis» – wie soll eine Praxis denn sonst sein? Mehrmals begegnet ist mir auch schon die Formulierung «es braucht ein adäquates Setting». Man fragt sich unweigerlich, wie ein Setting denn sonst sein soll als passend oder angemessen für irgendetwas oder irgendwen.

Tipp: Klappern Sie Ihren Text auf Adjektive ab und streichen Sie alle, die nichts zum Verständnis beitragen.

Verneinungen

Positive Botschaften erreichen uns schneller als negative. Unser Gehirn benötigt nämlich für die Auswertung von Verneinungen mehr Zeit als für positive, klare und eindeutige Botschaften. Das Kernproblem liegt darin, dass die Negation selten im Gehirn ankommt. Sie kennen sicher dieses Beispiel:

«Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten!»

Es ist unmöglich, nicht an einen rosa Elefanten zu denken. Seien Sie also vorsichtig mit «Nicht-Bildern», denn die Bilder bleiben trotz der Negation hängen.

Neben der einfachen gibt es auch noch die doppelte Verneinung. Sie verlangt den Leser:innen viel ab, denn es gilt: einmal nein = nein, zweimal nein = ja.

nicht ohne = nur mit
nicht verboten = erlaubt
nicht verweigern = gewähren
nicht ablehnen = genehmigen

Schützen Sie Ihre Leser:innen vor unerbetenem Denksport: Verzichten sie auf doppelte Verneinungen. Dann riskieren Sie auch nicht, das Gegenteil des Gemeinten zu sagen.

Es geht immer um die Leser:innen

Inhaltliche Komplexität hat nichts mit sprachlicher Kompliziertheit zu tun – merken Sie sich das! Nur wenn man Sie versteht, erkennt man Ihre Fachkompetenz. Es geht also immer um die Leser:innen und nicht um Ihre eigenen Profilierungsgelüste. Wenn Sie sich bei der Überarbeitung Ihrer Texte Mühe geben, dann muss sich Ihr Publikum beim Lesen weniger anstrengen.

Sie wollen mehr über den sprachlichen Feinschliff erfahren? Dann machen Sie jetzt den ersten Schritt, um ein Überarbeitungsprofi zu werden.