Gefühlt jeden Tag gibt es eine neue KI-Entwicklung. Ob Text, Bild oder Video – die Ergebnisse beeindrucken. Da ist die Frage berechtigt, ob man als Mensch damit überhaupt noch mithalten kann. Im Speziellen drängt sich auch diese Frage auf: Lohnt sich Suchmaschinen-Optimierung (SEO) im Jahr 2026 und darüber hinaus noch? Denn viele Website-Betreiber:innen beklagen enorme Einbrüche von Suchmaschinen-Traffic, seit ChatGPT, AI Overviews und andere generative KIs unseren Alltag erobert haben.
In diesem Artikel zeige ich auf, warum es sich meiner Meinung nach immer noch lohnt, auf SEO zu setzen. Allerdings – und das möchte ich gleich vorwegnehmen – muss man SEO heute ganz anders denken als bisher.
Die brutalen Fakten über KI
Nachdem ChatGPT im Winter 2023 einem breiten Teil der Bevölkerung ein Begriff wurde, waren KI-Chatbots zunächst für viele Nutzer:innen nur eine Spielerei. Doch schnell entdeckten die Menschen das Potenzial von KI – und deren Gefahren.
«Informationsorientierte Suchanfragen werden von der KI direkt beantwortet – die Links auf die Quellen werden nicht mehr geklickt.»
Mittlerweile hat auch Google – nach wie vor der Platzhirsch unter den Suchmaschinen – KI in seiner Suche als festen Bestandteil etabliert. Aber reine KI-Suchmaschinen wie Perplexity erobern zunehmend Marktanteile.
Und das hat für Website-Betreiber:innen schmerzliche Auswirkungen: Da informationsorientierte Suchanfragen nun direkt ausführlich beantwortet werden, werden die Links auf die Quellen nicht mehr geklickt. Die Folge: Es landen weniger Besucher:innen auf den Websites.
Die jahrelang stille Vereinbarung zwischen Website-Betreiber:innen und Suchmaschinen scheint im KI-Zeitalter nicht mehr zu gelten. Seit jeher war es so, dass Website-Betreiber:innen akzeptierten, dass sich Suchmaschinen der von ihnen erstellten Inhalte «bedienten» . Im Gegenzug bescherten ihnen Suchmaschinen regelmässig neue Besucher:innen.
Das funktioniert nun nicht mehr: Was früher eine verlinkte Quelle war, ist jetzt Trainingsfutter für die KI. Inhalte werden also zur direkten Antwortgenerierung genutzt, ohne dass daraus zwingend ein Klick entsteht.
Will man da wirklich mitmachen und kostenlosen Content auf der eigenen Website publizieren, wenn dann die Big-Player mehr davon haben als man selbst?
Fakt ist:
Während sich hier und da ein bisschen Widerstand geformt hat, sind die ersten Dominosteine längst gefallen. Auch wenn die EU und andere Institutionen um irgendwelche Regeln für KI ringen: Die Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten. Die USA und China werden sich nicht davon abhalten lassen, das Maximum aus diesem neuen Geschäftszweig herauszuholen.
Mit anderen Worten: Es wäre töricht, zu hoffen, dass der KI-Expansion Grenzen gesetzt werden. Man muss – wohl oder übel – die Entwicklung akzeptieren und sich entsprechend darauf einstellen.
SEO ist tot! (zumindest teilweise)
Oft konnte ich als SEO-Spezialist über dieses immer wieder gehörte Mantra lachen: SEO ist tot!
- 2008: Social Media ist da → SEO ist tot!
- 2011: Google Panda-Update → SEO ist tot!
- 2012: Google Penguin-Update → SEO ist tot!
- 2015: RankBrain/Machine Learning → SEO ist tot!
- 2018: Featured Snippets und Zero Click Searches → SEO ist tot!
- 2023: ChatGPT wird einer breiten Masse bekannt und bietet bald auch Web-Suche an
Doch wie ist es dieses Mal – ist SEO wirklich tot?
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen den Entwicklungen vor und nach ChatGPT. Während die Entwicklungen der Vorjahre dazu führten, dass lediglich SEO-Massnahmen nicht mehr funktionierten, die darauf abzielten, den Suchmaschinen-Algorithmus zu überlisten, könnte die KI-Entwicklung tatsächlich dazu führen, dass das SEO-Game an sich nicht mehr funktioniert.
Dies, weil die Entwicklung das Verhalten der Nutzer:innen ändert, nicht den Prozess der Suchmaschinen. Nach dem Panda-Update 2011 gab es noch immer gleich viele Nutzer:innen, die gleich viele Suchanfragen stellten und gleich oft auf Links klickten.
Aber heute ist es anders: Die Nutzer:innen klicken nicht mehr. Jedenfalls gilt das für viele Arten der Suche, und genau das müssen wir bei der Content-Erstellung so schnell wie möglich berücksichtigen.
Lange Zeit galt Evergreen-Content als die sinnvollste Art von SEO-Content. Mit Evergreen-Content ist gemeint, dass man möglichst zeitlosen Content mit möglichst viel Mehrwert bietet. Das war sinnvoll, weil man so mit einem Artikel über lange Zeit bei den Suchergebnissen weit vorne mitspielen konnte (sofern man mal dahin gekommen ist).
Das Problem: Diese Art von Content ist oft generisch. Und generischer Content lässt sich leider sehr gut über KI reproduzieren, was wiederum bedeutet, dass die Suchergebnisse mit KI-generierten Texten überfüllt sind.
Auf den Punkt gebracht: Eine generische Suchanfrage führt zu einer generischen KI-Antwort und diese führt zu keinem Klick.
Die alten Strategien funktionieren nicht mehr – es braucht neue.
«Wenn Du originelle Inhalte erstellst, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Du ein gutes Suchmaschinen-Ranking erzielst und dass dieses auch zu einem Klick führt.»
Welche SEO-Strategien 2026 und darüber hinaus funktionieren
Wer heute und in Zukunft auf Suchmaschinen-Traffic setzen möchte, sollte bei der Content-Planung folgende Fragen beantworten:
- Welche Art von Content lässt sich nicht von KI reproduzieren?
- Wann ist der Faktor «Mensch» noch immer entscheidend?
- Was kann ich den «Menschen» an Mehrwert bieten?
Wenn Du originelle Inhalte erstellst und dabei die obigen Fragen berücksichtigst, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass ein Ranking weit vorn bei den Suchmaschinenergebnissen auch zu einem Klick führt.
Lass mich beispielhaft aufzeigen, was ich mit den einzelnen Fragen meine.
Frage 1: Welche Art von Content lässt sich nicht von KI reproduzieren?
Im Gegensatz zur KI sind wir Menschen kreative Geschöpfe. Wir sind in der Lage, Dinge ganz anders und neu zu denken.
Auch wenn es vielleicht manchmal anders wirken mag: KIs reproduzieren lediglich das Gelernte aufgrund von ausgefeilter Statistik. Natürlich ist das sehr nützlich – und ja, wir Menschen machen auch nicht täglich neue Erfindungen.
Aber weit musst Du tatsächlich gar nicht suchen. Schreib einfach über Dich, Dein Angebot, Dein Team, Dein Leben oder Deine Ansichten.
Statt: «11 Dinge, die Du bei Angebot X beachten solltest».
Schreibe lieber: «Das macht unser Angebot einzigartig».
Frage 2: Wann ist der Faktor «Mensch» noch immer entscheidend?
Ist Dir das auch schon passiert?
Du interessierst Dich eigentlich nicht für ein Thema. Aber Du folgst schon lange diesem einen Content-Creator. Und der spricht jetzt plötzlich über dieses Thema. Und Du hörst zu.
Oder:
Du bist Dir über eine Sache unschlüssig. Zahlen und Fakten vermögen Dich nicht zu überzeugen. Doch dann hat eine Expert:in eine klare Meinung und Du weisst: Wenn diese Person das so sagt, dann passt es auch.
Tatsächlich bin ich der Überzeugung: Gerade weil durch die KI das Internet mehr und mehr unglaubwürdig wird, wird der Faktor «Mensch» wieder viel wichtiger. Vertrauen ist schliesslich eine der wichtigsten Währungen überhaupt.
Du bist Expert:in für ein Thema? Dann schreib darüber!
Du hast viel Erfahrung in einem bestimmten Gebiet? Dann schreib darüber!
Du hast etwas versucht, aber es hat in der Praxis nicht funktioniert? Dann schreib über Deine Erfahrung!
Dein Fachwissen und Deine Erfahrungen führen zu Content, der Vertrauen schafft. Damit dieses Vertrauen aufgebaut werden kann, muss Deine Expertise ankommen. Deshalb gilt: Eine verständliche und adressatenorientierte Sprache ist der Schlüssel, um Deine Botschaften zu vermitteln. Wenn Du Deine Schreibkompetenzen stärken möchtest, empfehle ich Dir den Online-Intensivkurs von Pentaprim.
Frage 3: Was kann ich den «Menschen» an Mehrwert bieten?
Einer meiner wichtigsten SEO-Grundsätze war schon immer: Arbeite mit Google, nicht gegen Google. Denn ich finde, Google und die anderen Suchmaschinen sind fair. Brutal, aber fair. Vorn dabei ist, wer die beste Antwort auf eine Suchanfrage bietet, und nicht, wer den Algorithmus am besten austrickst.
Und wer sich fragt, wie man die beste Antwort auf eine Suchanfrage erstellt, der wird zwangsläufig die folgenden Fragen beantworten müssen:
- Was genau steckt hinter der Suchanfrage?
- Wie kann man das Bedürfnis der (suchenden) Menschen am besten bedienen?
Und die Antwort ist stets: Mehrwert! Denn Mehrwert ist einer generischen KI-Antwort immer überlegen.
Fazit: Konzentriere Dich beim Schreiben auf die Menschen
Die Zukunft wird zeigen, ob all das wahr ist, was ich in diesem Blogbeitrag schreibe. Einer Sache bin ich mir aber sicher: Menschen werden auch weiterhin Antworten auf ihre Fragen und Lösungen für ihre Probleme suchen. Und wenn Du diesen Menschen bietest, wonach sie suchen, dann werden sie Dich finden.
Darum mein wichtigster Ratschlag: Konzentriere Dich beim Schreiben auf die Menschen, nicht auf die Technologie. Und ja: Bleib der Suchmaschinen-Optimierung treu!
Über den Autor Philipp Bachmann

Philipp Bachmann ist Webentwickler. Für seine Kunden erstellt er Websites, programmiert Web-Applikationen und unterstützt bei der Suchmaschinen-Optimierung. Er führt die Webagentur Undici-Web mit Sitz in Bern.

