Blogbeitrag 5: Verständliche Texte

Ein Plädoyer für verständliche Texte

Wer einen Text schreibt, sollte sich Gedanken über die sprachliche Ausdrucksweise machen. Denn schliesslich besteht das Ziel eines Textes darin, Inhalte an die Leser*innen zu vermitteln. Wie schwierig diese Aufgabe ist, möchte ich anhand von wissenschaftlichen und fachlichen Texten zeigen.

Die Verwendung von Fachbegriffen und die transparente Beschreibung des Forschungsprozesses sollen unter anderem zu genauen und nachvollziehbaren Aussagen über den Untersuchungsgegenstand führen. Die Ergebnisse können dann von der Forschungsgemeinschaft und der Gesellschaft genutzt werden. Doch damit das gelingen kann, müssen die Texte verständlich sein und ihre kommunikative Funktion erfüllen.

Oft lese ich wissenschaftliche und fachliche Texte, die vage und kompliziert geschrieben sind, sodass ich Mühe habe, den Inhalt zu verstehen. Umso genauer ich mich mit einem Text auseinandersetze, desto mehr unnötig komplizierte Schachtelsätze, bedeutungslose Füllwörter und unklare Bezüge erkenne ich. Häufig fehlt auch eine erkennbare Leser*innenführung. All das macht einen Text schwer verständlich.

Einen Punkt möchte ich im Rahmen dieser Diskussion besonders betonen: Ich bezweifle nicht die Wichtigkeit einer Fachsprache und denke auch nicht, dass alle wissenschaftlichen Texte so geschrieben werden sollen, dass sie für ein breites Publikum verständlich sind. Fachbegriffe sind ein zentraler Bestandteil von Fachdisziplinen. Und ja, manchmal lässt es sich nicht vermeiden, lange Sätze zu bilden.

So gibt es zum Beispiel Disziplinen, in welchen eine komplexe Satzstruktur zur Norm geworden ist. Durch die fachliche Sozialisation lernt man die Sprachnormen einer Disziplin kennen, und schreibt am Ende so, wie man es in diesem Fachbereich eben macht. Wenn man sich nicht an diese Konventionen hält, ist es je nachdem schwierig oder nicht möglich, eine Karriere im jeweiligen Fachgebiet zu machen. Das heisst, als schreibende Person muss man sich bei der Texterstellung bewusst sein, welche fachspezifischen Sprachnormen berücksichtigt werden müssen.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Texterstellung ist die Leser*innenführung. Vor dem Verfassen eines Texts sollte stets geklärt werden, wer die Leser*innen sind, was sie wissen und was man ihnen mitteilen muss, damit sie den Text verstehen. Die Klärung dieser Fragen führt dazu, dass man beim Schreiben das Zielpublikum im Fokus hat. Und das wiederum hat (hoffentlich) zur Folge, dass die Sprache des Texts adressatenorientiert und die Leser*innen anhand des roten Fadens durch den Text geführt werden.

Man muss beim Schreiben also nicht nur auf den Inhalt achten, sondern auch die fachspezifischen Sprachnormen sowie die potenziellen Leser*innen und Vorwissen berücksichtigen. Die Klärung solcher Rahmenbedingungen hilft dabei, einen Text so einfach und inhaltlich präzise wie möglich zu schreiben.

Etwas überspitzt aber pointiert hat Karl Popper gesagt: «Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.» Ich gehe mit Karl Popper einig und bin der festen Überzeugung: Durch eine Klärung der Rahmenbedingungen und etwas Übung können auch komplexe Gedankengänge sprachlich einfach und trotzdem korrekt dargestellt werden.